Im Zug der Zeit

BahnhofSeit mehreren Jahren nehme ich fast jeden Morgen einen Intercity der Deutschen Bahn, um ins Büro zu fahren. Gemeinsam mit mir sind Tag für Tag neben angehenden Nordseeurlaubern auch eine Reihe anderer Berufspendler unterwegs. Alle kennen sich vom Angesicht.

Mit der Zeit sind wir uns vertraut, ohne je wirklich miteinander gesprochen zu haben. Weder habe ich jemals beobachtet, dass sich zwischen meinen Mitreisenden Bekanntschaften entwickelt hätten, noch habe ich selbst irgendwann das Gespräch zu anderen gesucht. Hin- und wieder überkam mich das Bedürfnis, die merkwürdige Distanz zwischen uns zu durchbrechen, in die Hände zu klatschen und “Aufgewacht!” zu rufen.

Aber bevor es dazu wirklich kommen konnte, erwachte jedes Mal eine merkwürdige urdeutsche Hemmung in mir und ich zog mich dezent in mich zurück. Zu vielen meiner stummen Begleiter existieren in meinem Kopf inzwischen Geschichten, die ich mir mit der Zeit aufgrund von Beobachtungen zusammengesponnen habe. Leider werde ich wohl nie erfahren, ob sie der Wirklichkeit entsprechen. Das Pendel schwingt nämlich aus und meine täglichen Fahrten im Intercity Richtung Norddeich-Mole haben ein Ende.

Adieu, liebe Mitreisende, und gute Weiterfahrt!

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